Der Duft der Erinnerung.

Jeder kennt diesen Moment: Ein Duft steigt uns in die Nase und sofort erscheinen lange zurückliegende Augenblicke und Situationen vor unserem geistigen Auge. Aber woraus resultiert dieses „Geruchsgedächtnis“ und die damit verbundenen intensiven Assoziationen?

Frisch gemähtes Gras. Der Rauch eines Lagerfeuers. Das Aroma eines Gerichtes. Oder auch ein bestimmtes Parfum. Kaum nehmen wir manche Gerüche wahr, öffnet sich auch schon der Vorhang unseres Kopfkinos und die Bilder aus vergangenen Tagen fügen sich zu einem Film zusammen. Fakt ist: Gerüche können bei uns Erinnerungen auslösen. Und das sogar mehr als alle anderen Sinne!

Das Zusammenspiel unseres Geruchssinn mit unseren Erinnerungen und Gefühlen hat dabei zunächst einmal einen ganz einfachen medizinischen Grund:

Anders als beim Sehen, Fühlen, Schmecken oder Hören gelangt diese Sinneseindrücke ohne Umwege und ungefiltert in das limbische System unseres Gehirns – wo sie sich unmittelbar mit Gefühlen verbinden und damit eine bessere Chance haben, im Gedächtnis zu bleiben.

Der Proust-Effekt

Wieviel Einfluss Gerüche auf unsere Erinnerungen und auf unser Leben haben, wird bereits seit längerem untersucht. Zu den beeindruckenden Resultaten dieser Geruchsforschung zählt unter anderem ein Phänomen, das in Anlehnung an den französischen Schriftsteller Marcel Proust als „Proust-Effekt“ bezeichnet wird.

In seinem Buch „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ schildert er eine Begebenheit, bei der, im Augenblick als er den Geruch eines in Tee getauchten Gebäckstückes wahrnahm, lange zurückliegende Kindheitserinnerung wieder auftauchten.

Den wissenschaftlichen Beweis für diese Reaktion trat unter anderem die amerikanische Geruchsforscherin Rachel Herz von der renommierten Brown University an:

In einem Versuch verwendete sie die unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen bei Popcorn – darunter das Geräusch der ploppenden Maiskörner, ein Foto von Popcorn sowie den Duft einer Tüte frischen Popcorns. Bei allen Teilnehmern waren die Geruchserinnerungen am emotionalsten und am intensivsten!

„Geruchserinnerungen sind einzigartig emotional und bewegend, in unseren Köpfen und in unseren Gehirnen.“

Rachel Herz, Kognitive Neurowissenschaftlerin

So individuell wie wir

Natürlich gibt es Düfte, mit denen die Mehrzahl der Menschen etwas Ähnliches verbindet: Popcorn wird sehr häufig mit Kino in Verbindung gebracht, um bei unserem zuvor genannten Beispiel zu bleiben. Und der Geruch nach Zimt weckt in der Mehrzahl der Fälle weihnachtliche Assoziationen.

Und doch hat jeder von uns sein persönliches Geruchsgedächtnis mit ganz eigenen aromatischen Nostalgieauslösern. Deren Wirkung auf uns hängt wiederum davon ab, ob sie für uns mit einem positiven oder negativen Erlebnis verknüpft sind.

„Archiv der alpinen Geruchserinnerungen“

Ein hochemotionales Thema also – das auf der anderen Seite aber auch sehr unterhaltsam sein kann. So haben beispielsweise Künstler Curdin Tones und Designer Philipp Kolmann im Dörfchen Tschlin im Schweizer Unterengadin das „Archiv der alpinen Geruchserinnerungen“ eingerichtet.

Vor Ort sammeln sie typische Gerüche aus dem Engadin und machen diese regionalen Dufterfahrungen interessierten Besuchern in Form von verschiedenen Workshops zugänglich.